Des Werdens Reife

Jedwedes Werden trägt des Unfertigen Spur. Was sich entfaltet, kennt weder seines Anfangs ganze Gestalt noch des kommenden Ausdrucks Maß. Getragen von Erfahrung fügt sich Veränderung an Veränderung, kaum merklich im Augenblick und erst im Zurückblicken als Weg erkannt.

Des Alten Form verliert ihre Festigkeit, sobald das Kommende seinen ersten Raum beansprucht. Noch ungeöffnet liegt die Knospe im Schutz des Gewesenen, während längst jene Kraft in ihr wirkt, die keine Rückkehr zur vorherigen Gestalt erlaubt. Reifung geschieht im Übergang, dort, wo weder Vollendung noch Ursprung allein bestehen.

Jede Erfahrung hinterlässt eine Spur im Weiteren. Was gestern noch Halt gewährte, kann morgen Enge bedeuten; was heute fremd erscheint, trägt bereits des Eigenen Möglichkeit. So fügt sich Entwicklung keinem geraden Gang. Sie unterliegt dem Öffnen, Stocken, Reifen, Verwerfen und erneuten Hervortreten.

Des Werdens Kraft liegt nicht im erreichend Ziel. Sie lebt im Wandel dessen, was sich seiner nächsten Gestalt noch entzieht. Kein Augenblick vermag festzuhalten, was bereits im Begriff ist, sich zu verändern.

Die Blüte weiß nichts von ihrer Vollendung.

Und dennoch öffnet sie sich.

Motiv O – Ich-Wahrhaftigkeit

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