Jedwedes Wort trägt die Gabe, Verbindung zu stiften, Gedanken zu öffnen und dem Unsichtbaren Klang zu verleihen. Im Reden zeigt sich der Mensch, in seiner Mitteilung, in seinem Rufen, in seinem Antworten auf die Welt. Des Lautes Silber glimmt im Zwischenraum der Begegnung und schenkt dem Miteinander Richtung.
Doch Schweigen birgt eine andere Kostbarkeit. Es drängt sich nicht vor, es fordert keine Bestätigung und ziert sich keiner Geltung. Jene Stille, die nicht aus Verschlossenheit erwächst, trägt des Hörens Tiefe in sich. Sie hält aus, was sich dem schnellen Ausdruck entzieht, und bewahrt, was unter zu vielen Worten seinen Gehalt verlöre.
Wo Reden sich häuft, ermüdet bisweilen die Wahrheit an der Last des Gesagten. Wo Schweigen Raum erhält, kann des Wesentlichen Nähe fühlbar werden. Nicht jedes Wort ist zu früh, doch mancher Laut eilt dem Verstehen voraus. Das Schweigen hingegen verweilt an jener Schwelle, an welcher Sinn sich erst sammelt.
So misst sich beides nicht am bloßen Gebrauch. Reden dient dem Offenbaren, Schweigen dem Reifen. Reden bringt hervor, Schweigen trägt. Reden sucht den anderen, Schweigen lauscht dem, was zwischen beiden längst anwesend ist.
Des Wortes Wert erfüllt sich im rechten Maß.
Doch Gold bleibt, was in der Stille Bestand hat.
Motiv H – Sprache & Wort