Der Sprache Weltenblick

Jedweder Ausdruck, dem Erlebten entnommen, öffnet des Wahrnehmens Feld. Was des Wortes Nähe berührt, tritt aus dem Ungesehenen hervor und gewinnt Gestalt. Des Flüchtigen Spur verdichtet sich im Benannten, des Augenblickes Weite erhält für einen Atemzug Richtung.

Sprache trägt nicht allein das Gesagte. Sie führt des Blickes Art, des Hörens Tiefe, des Empfindens Ordnung. Jenes, was dem Menschen begegnet, fügt sich in sein Erfahren durch die Weise, in welcher er Welt zu lesen vermag. Der Dinge Erscheinung bleibt nie unberührt vom inneren Laut, der sie begleitet.

Lauschend öffnet sich ein Raum, in welchem Welt nicht bloß vorgefunden wird. Sie wird aufgenommen, gegliedert, gewichtet, erinnert. Des Namens Gabe hebt aus der Fülle hervor, was zuvor am Rande des Bewusstseins verweilte. So wächst aus Sprache kein bloßes Abbild, sondern eine gelebte Wirklichkeit.

Wo Worte verarmen, verengt sich das Feld des Sehens. Wo Sprache sich weitet, gewinnt auch Wahrnehmung an Tiefe. Nicht jede Erfahrung sucht Erklärung, doch viele bedürfen der Sprache, um im Inneren als erfahren anerkannt zu werden.

Des Hörens Offenheit geht dem Verstehen voraus.

Und Welt geschieht im Maß des Wahrgenommenen.

Motiv H – Sprache & Wort

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